Mexiko, Hawaii und Hong Kong – von Prähistorie über Allergie zur Nostalgie

Uuuh dieser elendigliche Reisepflock ist schon sooo lang nicht mehr aktuell. Sorry troie Leserschaft für die Versoimnisse. Hier also eine Schnellbleiche der letzten Stopps vor dem Big Fat Indian Wedding: Ciudad de Mexico, Hawaii und Hong Kong. Die schmutzigen Details können dann ab dem 26. März direkt an der Burstwiesenstrasse 52 bezogen werden.

  • Aaalso Ciudad de Mexico aka CDMX: schampar schöne Altstadt, wirkt sehr kolonialeuropäisch mit ein paar echt fetten Prachtbauten, die aussehen als hätte man sie gerade aus Wien stibizt. Dann sind da noch die Überreste der Azteken-Hochburg Tenochtitlan (Mike behauptet ja immer noch es heisse Technotitlan), auf denen die heutige mexikanische Hauptstadt erbaut wurde. Leider waren die Kolonialisten in ihrem Zerstörungswahn auch hier sehr gründlich und es gibt nicht mehr viel zu sehen. Am zweiten Tag geben wir uns deshalb die volle Archäologie-Dosis mit einem Besuch der geheimnisvollen Ruinen-Stadt Teotihuacán etwa eine Stunde ausserhalb von CDMX. Niemand weiss so genau, was für ein Volk diese Stadt erbaut hat und weshalb ihre Einwohner sie um etwa 750 n.Chr. verlassen haben. Die Azteken, welche die Stadt bereits in Ruinen vorfanden, verehrten sie als Ursprung der Welt und Geburtsort ihrer Götter.  Die riesigen Tempelanlagen, interpretierten sie als Gräber und nannten die riesige Prachtstrasse, welche sie verbindet deshalb „Calle de los muertos“ also Strasse der Toten. Bei 35 Grad erklimmen wir  erbärmlich schwitzend die extrem steilen Treppen des Mondtempels und geniessen die Aussicht auf die mysteriöse Stadt.
  • Hawai’i ist tatsächlich so kitsch igschön wie es uns die Ferienkataloge und Elvis-Filme weissmachen. Und beinahe weiss sind auch die Strände, die wir auf der Hauptinsel O’ahu in den ersten vier Tagen erkunden und erschnorcheln.  Trotz Tauchverbot meinerseits geniessen wir Sommer, Sonne, Sonnenschein in vollen Zügen. Dumm nur, dass mir der Herr Doktor in Bogotá nicht gesagt hat, dass man beim regelmässigen Antibiotikaverzehr UV-Strahlen lieber meiden sollte. Nachdem wir an Tag drei in der prallen Sonne zum Makapu’u Leuchtturm spaziert, dort noch eine Weile gewhale-watcht und danach die Hanauma Lagune abgeschnorchelt haben, plagen mich auf einmal grauenhafte Magenkrämpfe. Schmerzgekrümmt schlafe ich an diesem Abend ein und erwache anderntags  mit roten Punkten am ganzen Körper. „Eine extreme Form von Sonnenallergie“, attestiert die schaurig teure Doktorin in der Minute-Clinic, meinem alien-esken Ganzkörpertattoo. Zum Tauchverbot gesellen sich nun also auch noch ein „Sonnen-, Meer-, Pool- und Strandverbot“. Und das in Hawai’i!!!! Immerhin bin ich nach dieser Diagnose nicht allzu traurig, als die Wetterprognose für unsere nächsten vier Tage auf Kaua’i Regen voraussagt. Reichlich tragisch ist hingegen, dass ich von der genialen Poolanlage in unserem Luxus-Resort auf der Garteninsel keinen Gebrauch machen kann. Denn dummerweise waren wir so naiv zu glauben, dass wir auf Hawai’i ebenso spontan buchen können wie in Südamerika. Leider nein. Deshalb bleibt uns vier Tage vor Ankunft schlussendlich nur die Wahl zwischen Schickeria und Schuhkarton. Immerhin lässt es sich im riesigen Hotelzimmer gut bessern und meine Alienpigmentation verschwindet langsam wieder. Bei Nieselregen wagen wir dann auch eine Flussfahrt auf dem Wailua River zum anscheinend berühmten Fern Grotto (amerikanische Prononcacion: Föööööörn Groddouuu). Ein bisschen Hula, ein paar kapitänsche Schenkelklopfer und etwas nasses Farn in einer Steinwand später, sind wir zwar nicht überwältigt aber immerhin gut unterhalten, Den letzten Tag im Inselparadies nutzen wir für unseren ersten Weltreise-Roadtrip zum Waimea Canyons. Die Landschaft, die sich uns dort zwischen Nebelschwaden offenbart, ist surreal: über die rote Erde, die grünen Klippen und weisssprudelnden Wasserfälle spannen sich immer wieder wunderschöne Regenbogen. Und so ist der Abschied von Hawai’i dann trotz Allergieaussetzer  und Buchungsungeschick ein versöhnlicher.
  • Drei Spielfilme, einen Zwischenstopp in Manila und ein halbes Hörbuch später, landen wir in Hong Kong. Nochmal so ein teures Pflaster. Aber der Zaster zahlt sich aus. Die schampar schicke Teeparty inklusive live-Süpfonie-Orchester im Luxusspunten „Peninsula„, die Fahrt mit der steilsten Drahtseilbahn der Welt nach stündiger Anstehung zum Victoria-Peak und der Bootausflug auf die Fischer-Insel Cheung Chau sind einmalige Erlebnisse – zumindest für mich. Bei HK-Veteran Mike löst der Anblick von luxuriösen Teetassen, lottrigen Taxis und krassem Computerzubehör vor allem Nostalgieschübe aus und er schwelgt in Erinnerungen an Ferientage, die er als Kind am Arbeitsort seines Stiefvaters verbrachte. Die Aussicht auf die unglaubliche Skyline begeistert ihn nur halb so fest, wie der Anblick eines Kiosk-Ice-Teas aus Kindertagen. Für mich Landei ist hingegen allein schon der Spaziergang von der U-Bahn-Station ins nächste Restaurant oder der Blick aus unserem Hostelzimmer im 34. Stock der füdliblutte Wahnsinn. Wolkenkratzer soweit das Auge reicht. Kein Millimeter, der nicht von Menschenhand geformt und mit irrem Leuchtreklamenwirrwarr zugepflastert wurde. Das menschliche Gewusel dazwischen wird von den Hong-Kongesen höchst effizient gemanagt und das Rumtouristieren mit öffentlichen U-Bähner, Büsser, Trämer und Bööter ist eine wahre Freude. Das Wiedersehen mit Gayatri (siehe Copacabana und Cusco) sowie Familienfreunden von Mike versüssen unseren Aufenthalt in der chinesischen Metropole zusätzlich und ich darf mit meinen lamentablen Stäbchen-Essfähigkeiten wieder einmal zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Das chinesische Neujahr, das hier kurz vor unserer Ankunft begonnen hat, startet also auch für uns mit viel Schwein.

 

Rincón del Mar – lass la bambele à la colombiana

  • Nachdem wir in Kolumbien schon reichlich geschwärmt und geschnorchelt haben, wollen wir den ersten Tauchgang unseres Trips in Angriff nehmen. Auf Empfehlung von unserer Cali-Connection geht es dafür ins relaxte Fischerdorf Rincón del Mar etwa 2.5 Stunden Bus- und eine halbe Stunde Taxifahrt von Cartagena entfernt an der kolumbianischen Karibik. Hier hat das Leben einen gemütlichen Beat und das soll auch so bleiben. Anscheinend haben sich die einheimischen Fischer und Hostelbesitzer deshalb sogar gegen den Besuch eines Lonely Planet-Autors gewehrt, der den Ort in die Backpackerbibel aufnehmen wollte. Noch kennen deshalb nur wenige internationale Touristen diesen Ort. Die, die es hierher schaffen (vor allem Franzosen) lassen ihre Seele in den unzähligen Hängematten am Strand baumeln, geniessen frischen Fisch mit süsslichem Kokosreis und fruchtige Cocktails. Wir tuns ihnen gleich und lernen dabei Melissa, Evolène und Thibault kennen. Erstere ist vor fünf Jahren aus Buenos Aires weg und in die Welt hinausgezogen. Seither arbeitet sie in Bars, Hotels und Hostels als Kellnerin, Barkeeperin, Rezeptionistin, Masseurin oder freischaffende Bäckerin. Dabei hat sie ihre Begeisterung für neue Bekanntschaften nicht verloren und gibt ihre Reiseabenteuer gerne an der Bar unseres Hostels zum Besten, die sie momentan gerade schmeisst. Evolène und Thibault aus Lyon sind wie wir auf längere Weltreise aber unterhaltungstechnisch einiges besser ausgerüstet. Und so spielen wir bald jeden Abend gemeinsam Schach, Dog und das furchtbar banale aber unglaublich unterhaltsame Würfelspiel petits cochons. Auch mit unseren Tauchlehrern haben wir unglaubliches Schwein. Stefania und Giovanni vom Rincón Dive Center, sind die coolsten und gleichzeitig professionellsten Dive-Buddies, die man sich wünschen kann. Der Dolce-Vita-Italo-Swag mit dem sie uns in ihrem Dive-Shop Kaffee servieren ist super ansteckend und die Tauchgänge vor den wunderschönen Islas de San Bernardo sind Tiefenentspannung pur. Dummerweise blockiert sich mein Innenohr beim vierten Tauchgang und verursacht ein Mini-Barotrauma. Nach einem schwindligen Nachmittag beschliesse ich das Ganze abklingen zu lassen und vorerst nicht weiter zu tauchen. Dafür habe ich mehr Zeit mein erstes Fernjobinterview aus der Karibik zu improvisieren, was leider auch nötig ist, da Mikes geniales Gamerlaptop sich unerwarteterweise in die ewigen Hängergründe verabschiedet hat und die Kamera an meinem Tablet auch nicht funktoniert. Dank der grossartigen Hilfsbereitschaft unserer Tauchgurus und Lieblingslyonaisen finde ich schlussendlich doch noch einen kamerakompetenten Apparatus, nur um mir die Show am Ende von der schwächlnden Internetverbindung stehlen zu lassen. Ein videoloses Telefonat später, habe ich zwar keinen neuen Job, dafür mein Karibik-Ohm wieder. Letzteres wird bei einer sonnenuntergänglichen Yoga-Session noch etwas intensiviert und die Erleuchtung, dass die Karibik wohl einfach nicht der richtige Ort für Jobinterviews ist, kommt nicht wirklich überraschend. Trotzdem hätte ich dereinst – fern von Sandstrand und Meeresrauschen – dann schon wieder Lust auf neue Abenteuer in der Welt des Proletariats. Falls ihr liebe Leserschaft also was hört von einem Kommunikationsjob mit Weltverbesserungspotenzial so ab April 2019 – lasst es mich wissen. Ansonsten komm ich dann einfach nach Rincón zurück und lass la bambele …