Cataratas del Iguazú

  • Die grössten Wasserfälle der Welt: entlang einerKlippe von knapp drei Kilometern donnern hier über 270 Wasserfälle bis zu 80 Meter in die Tiefe. Die meisten davon befinden sich auf argentinischem Boden, wohin wir an unserem ersten Tag in Puerto Iguazú aufbrechen. Das Wetter ist ideal: sonnig, tropisch warm aber dank der vielen vorbeiziehenden Wolken nicht zu drückend. Barrierefreien Wege führen uns durch das Dschungelreservat zu imposanten Aussichtspunkten, direkt über und unter einige der Wasserfälle. Der Anblick der immensen Wassermassen, zusammen mit dem ohrenbetäubenden Rauschen (siehe respektive höre Videos ganz unten im Beitrag), den Gischtwolken, den Regenbogen dazwischen und dem tropischen Urwald im Rücken machen das Ganze zu einem unwirklichen Erlebnis. Es hätte mich nicht verwundert, wenn zwischen den Bäumen auf einmal Dinosaurier hervorgelugt hätten (lugen – hahaso ein doofes Wort). So summen Mike und ich den Jurassic-Park-Soundtrack während wir mit offenen Moilern von Wasserfall zu Wasserfall staunen (und ja, wir können mit offenem Maul summen).
  • Die Mittagspause in einem der Dschungel-Foodcourts stibitzt dem Ausflug ein wenig von der Dino-Magie. Hunderte lärmiger Touris stehen für ein paar labbrige Sandwiches und Pommes in den Kantine-artigen Gebäuden Schlange. Die vielen Nasenbären und Kapuzineräffchen, die davor herumtollen und sich um die Sandwich-Krumen streiten, garnieren den Zmittag immerhin mit ein bisschen Jöö. Vor ihren scharfen Krallen und Zähnen wird zwar an jeder Ecke gewarnt und darauf hingewiesen, dass Füttern verboten ist, doch die Tierlis haben längst verstanden, sich ihren Jöö-Effekt zu Nutzen zu machen. Während die Touris versuchen, ein Tier vor die Linsen ihrer Smartphöner zu kriegen, schnappen ihnen seine fünf Kameraden den Zmittag aus dem Rucksack.
  • Auf den tollen Iguazú-Auftakt folgen zwei Tage ausgeprägter Reisekoller: die Wasserfälle kommen auf einmal von oben, die erste Wäscherei, die wir aufsuchen hat geschlossen, die zweite gibt es gar nicht mehr, das Hostel ist ausgebucht und kann unseren Aufenthalt nicht verlängern, wir müssen was Neues suchen, in beiden Hostels ist das Internet haarsträubend schwach und das obwohl es die ganze Zeit vier fies grinsende Verbindungs-Strichlis anzeigt, dieser bescheuerte Reiseblogg/pflock sperrt dauernd die IP-Adresse und der arme Mike muss sich nicht nur um Webseiten- sondern auch um obergenervte-Nathalie-Maintenance kümmern. Zum Glück hat das erste Hostel eine tolle Bar mit viel Bier, Wein und guter Gesellschaft.
  • Am vierten Tag dann Lichtblicke am echten und Laune-technischen Horizont: es hat aufgehört zu regnen und wir besuchen die brasilianische Seiteder Wasserfälle. Die Anreise zum Panoramaweg mit dem parkeigenen Doppeldeckerbus fühlt sich an wie eine Achterbahnfahrt im Europapark. Mike und ich sitzen in Mitten einer Gruppe unglaublich gutgelaunter ü60-Brasilianerinnen, die immer wenn ein anderer Bus vorbeifährt die Hände in die Luft strecken und laut kreischen. Lustigerweise machen sie das auch, als wir kurz vor Ankunft am Waldrand ein Reh sehen. Das Tier ist sich seine Berühmtheit anscheinend schon gewöhnt, denn es hebt nicht mal den Kopf. Auch auf dieser Seite ist das Wasserfallpanorama super eindrücklich und man kann sogar noch näher an einen der Wasserfälle ran. Leider ist der Himmel nicht mehr ganz so fotogen, dafür geben wir alles.
  • Aufgrund der regnerisch-kühlen Wetter- und extremrechten Politikprognose für Brasilien ändern wir kurzerhand unseren weiteren Reiseplan und fliegen nach Mendoza anstatt nach Florianopolis.

Nicht-so-Fun-Fact:

  • Die Wasserfälle führten bis vor einigen Jahren noch meist klares Wasser. Aufgrund der Abholzung entlang des Río Iguazú, oberhalb der Fälle spült der Fluss heute so viel Sedimente mit, dass das Wasser auch ausserhalb der Regenzeit oft dunkelbraun ist.
  • Wegen der zunehmenden Umweltbelastung durch die Touristenströme sind unter anderem auch die Riesenotter (die sind echt riesig!) aus dem Iguazú verschwunden und viele der Fische finden ihre Beute und Partner nicht mehr. 

Next stopp:

  • Mendoza
  • Santiago de Chile
  • Valparaiso

Nationalpark Esteros del Iberá

  • Vier Stunden im 4×4 über holprige Kies- undSandstrassen bringen uns nach Colonia Carlos Pellegrini, das Dorf am Eingang zum grössten Naturreservat Argentiniens „Esteros del Iberá“.
  • Bei einem Nachtspaziergang, einer Bootstour,einer Tour zu Fuss und einer Hoch zu Ross entdecken wir die vielen animalischen Bewohner der Sumpflandschaft: knufflige Capybaras (die weltweit grössten Nager und Vorfahren unserer Meersoilis), die versteinertwirkenden Aligatoren, die vielen pfeifend-zwitschernd-heulend-bis-hupenden Vögel, die fast blinden Gürteltiere, die borstigen Wildschweine, die scheuen Sumpfrehe, buschig-flauschigen Füchse und Waschbären.
  • Wir freunden uns mit einem französischen Paar und ihrem 4-jährigen Sohn sowie einem Männertrio aus Argentinien an. Das Sprachendurcheinander beim gemeinsamen Abendessen fördert Satzperlen wie«demain à midi nos vamos con le barco» zu Tage.

San Ignacio Miní

  • Die Ruinen der Jesuitenreduktionen in San Ignacio Miní wirken auf mich wie eine westliche Mini-Version der verfallenen Tempel von Angkor Wat im Dschungel Kambodschas. Auch hier überwuchert tropische Fauna architektonische und kunsthandwerkliche Meisterwerke. Bloss wirkt diese Kultur viel vertrauter. Der Kunst- und Architekturstil hat dann auch einen halbwegs bekannten Namen: Guaraní-Barock. Erfunden wurde der Stil von den hiesigen Ureinwohnern, den Guaraní, welche unter der Anleitung europäischer Jesuiten im 17. Jahrhundert Dörfer für bis zu 3000 Einwohner erbauten. In diesen Dörfern wohnten und arbeiteten sie gemeinsam mit den katholischen Mönchen, die sie vor den marodierenden Sklavenjägern in der Gegend beschützten. Die Dörfer waren ökonomisch so erfolgreich, dass die spanische Krone die Jesuiten schliesslich aus Südamerika verbannte. Die sogenannten Reduktionen wurden daraufhin auch von den Guaraní verlassen und in den folgenden Kriegen fast gänzlich zerstört.
  • Die Auswirkungen der Inflation nehmen abstruse Züge an. Unseren 16’000 Pesos-teuren Trip (ca. 440 CHF) in den Nationalpark Esteros del Iberá müssen wir bar bezahlen. Dafür pilgern wir an zwei Tagen zum Bankomaten, vor dem sich jedes Mal eine lange Schlange bildet. Wir heben insgesamt sieben Mal Geld ab, bis wir das nötige Kleingeld beisammen haben.