Salto

  • Im sehr komfortablen Reisecar fahren wir in 6 Stunden von Montevideo nach Salto. Die vorbeiziehende Landschaft ist durchwegs flach und grün, hin und wieder gesprenkelt von Kuh- oder Schafflecken in der Ferne.
  • Eine abenteuerliche 40minütige Taxifahrt bringt uns danach von Salto in die Uruguayanische Pampa für ein tête-à-tête mit den Kuh- und Schafflecken.
  • Auf der Estancia Termal San Nicanor (eine Art Ranch mit Thermalbad) werden wir am späten Abend durch die rund 20-köpfige Pfauen-Alarmanlage lautstark willkommen geheissen.
  • Anderntags dürfen wir feststellen, dass die Alarmanlage morgens auch als kollektiver Wecker fungiert. Zum Glück können wir im Thermalpool der Estancia noch etwas weiterdösen.
  • In Begleitung von Mike’s neuen besten Freunden – den zwei Streunern der Estancia – spazieren wir um den nahegelegenen Regenwasserteich, wo wir den Rest der Thermalbadanlage entdecken – dummerweise liegt das Badezeug da schon auf dem Zimmer zum Trocknen. Der Spaziergang wird deshalb tags darauf wiederholt.
  • Beim Abendessen auf den Estancia versichert uns ein argentinisches Mutter-Tochter-Gespann, dass es sich bei der Gegend, um den energiereichsten Ort in Argentinien handelt. Ufos, der heilige Pius, die Muttergottes höchst persönlich sowie ominöse Lichtwesen würden diesen Ort frequentieren. Tatsächlich hat sich um den nahegelegenen Ort La Aurora eine Art katholischer-Hippie-Alien-Kult entwickelt. Leider reicht die Zeit nicht, um Pius persönlich zu grüssen.
  • Eine abenteuerliche Van-Fahrt bringt uns zwei Tage später zurück in die pfauen- und alienlose Zivilisation. Etwas mysteriös mutet die Weiterreise ab Concordia in Argentinien trotzdem an: per Zufall finden wir heraus, dass der Reisecar uns nicht am Busterminal, sondern direkt an der Autobahn auflesen wird. Wir fahren also nachts um halb eins per Taxi zur Autobahn. Zum Glück steht da ein Container der lokalen Polizei, die hier die Kantonsgrenze kontrolliert. Die netten Polizisten, die hier gerade Dienst haben, bringen uns sogar zwei Stühle raus. So sitzen wir noch eine Stunde auf zwei Bürostühlen am Rand der Autobahn und beobachten wie riesige Sattelschlepper an uns vorbeidonnern, bis unser Car um halb zwei Uhr morgens neben dem Polizeicontainer hält und uns auflädt.

Tigre, Colonia del Sacramento & Montevideo

Souvenirs:

  • Auf der Zugfahrt mit dem Tren de la Costa von Retiro nach Tigre zeigen sich die sozialen Unterschiede an den Wohnhäusern entlang der Geleise: nahe Retiro dominieren Wellblech- und Backsteinquader, näher an Tigre moderne und luxuriös ausgestattete Mehrfamilienhäuser.
  • Per Touri-Schiff auf dem braunen Rio Paraná erkunden wir das Tigre Delta, das wie eine Luxusvariante des Amazonas anmutet. In der mystischen Dschungel- und Sumpflandschaf verbringen wohlhabende Porteños ihre Wochenenden in schmucken Ferienhäuschen mit privater Anlegestelle. Aber auch viele Einheimische wohnen auf den kleinen Inseln, die nur per Boot zu erreichen sind. Gerne hätte ich das Innere des Deltas noch genauer erkundet. Leider hatten wir dafür zu lange ausgeschlafen.
  • Auf der pompösen Fähre mit onboard Duty-Free-Shops gehts in knapp zwei Stunden von Buenos Aires nach Colonia del Sacramento. Das fast schon kitschige Kolonialstädtchen wirkt entlang des alten Hafens wie ein englisches Fischerdorf und auf seinen sonnigen Plätzen wie ein verschlafenes Städtchen in der Toscana. Und das Beste:  Es gibt hier Sandstrände! Mit Sand unter den Füssen fühlt es sich an, als hätten die grossen Ferien nun richtig begonnen.
  • Nach einem typisch Uruguayanischen Asadito im Hostel El Viajero riechen wir selbst für die nächsten Tage wie geräuchertes Rindfleisch (Waschen ist erst in Montevideo angesagt, frische Pullis aber bereits Mangelware).
  • Psychologin und Menschenrechtsaktivistin Elaine aus dem nordbrasilianischen Staat Pernambuco führt uns nach dem Grillplausch in den rituellen Gebrauch von Rapé ein. Der brasilianische Schnupftabak wird über ein Bambusstäbchen vom Mund in die Nase geblasen und soll den Geist reinigen und die Konzentration fördern. Bei mir fördert er vor allem eine Niessattacke und ein kurzzeitiges Tabakhigh zu Tage.
  • Zwei weitere Reisende, Felix und seine Kollegin mit kompliziertemdaherleidernichtgemerktem Namen aus Rio de Janeiro, empören sich über die Präsidentschaftswahl in Brasilien. Beide sind Teil der LGBTQI-Community und fürchten noch mehr diskriminiert zu werden, sollte der rechtsextreme Bolsonaro Ende Oktober zum Präsidenten gewählt werden. Hier in Uruguay fühlen sie sich aber sehr wohl, sagen sie. Gleichgeschlechtliche Ehen sind hier seit 2013 legal.
  • Auf unserer Free Walking-Tour mit Rodrigo in Montevideo lernen wir, dass in Uruguay seit 2012 auch Abtreibungen und seit 2013 der Besitz von bis zu sechs Hanfpflanzen pro Haushalt sowie der Verkauf von Cannabis an registrierte Klienten (ohne medizinischen Hintergrund) erlaubt sind.
  • Während der exklusiven Führung durch das impossante Teatro Solis erzählt uns Valerie, dass für die 1500 Plätze in der sechsstündigen Eröffnungsoper anno 1856 rund 3000 Leute den ganzen Tag auf der Plaza de Independencia anstanden.
  • Gleich um die Ecke von unserem Hostel kann ich live-zusehen, wie Grafitti-Künstler ein neues Werk kreieren. Zu viert brauchen sie für das riesige Sujet, welches die Bedrohung der Umwelt durch Verstädterung und rücksichtslosen Konsum darstellt, lediglich einen Tag.
  • An unserem ersten Tag in Montevideo ist es grausige 14 Grad kalt. Unser Zimmer im wunderschön historischen dafür aber auch wunderbar winddurchlässigen Ukulele-Hostel ist ein Gefrierabteil mit Bett. Die warmen Pullis sind in der Wäsche. Tee sei Dank erstarren wir über Nacht nicht zu Eiszapfen.

Kulturelle Einsichten:

  • Mate-Trinken ist in Uruguay schon fast eine Religion. Jeder zweite Passant in Montevideo hat eine Thermoskanne unter den Arm geklemmt und einen Mate-Becher in der Hand, den er oft sogar im Gehen nachfüllt.
  • WC-Papier gehört in Uruguay wieder in den Abfalleimer – anscheinend ist Buenos Aires die Ausnahme zu dieser Regel in Südamerika. Hier übrigens eine gute Anleitung zu den WC-Bräuchen weltweit.
  • Das Strassenmagazin Hecho en Bs. As. informiert in längeren Reportagen und Interviews über Aktuelles aus Kultur, Gesellschaft und Kunst aus Buenos Aires.
  • In Argentinien, Uruguay, Chile und Paraguay gibt es ein sehr modernes Magazin über Nachhaltigkeit und entsprechende Trends: Ecomanía
  • Es gibt tolle Spanische Podcasts aus Südamerika: Die spannenden Reportagen von Las Raras Podcast und Radio Ambulante kann ich für lange Reisen in diesen Gefilden wärmstens empfehlen.

Next stop:

  • Thermalquellen von Salto
  • Ruinen der Jesuitenmission in San Ignacio Miní
  • Wasserfälle von Iguazú

Buenos Aires

Souvenirs nach 5 Tagen Buenos Aires:

  • Tangolektion, Milonga und Rotwein mit Alberto Goldberg in La Catedral – dem bohèmen Künstlerpalast und Zuhause von Tangokatze Tita
  • Plaudern und Coca-Teetrinken mit unserem AirBnB-host, Tierarzt und Psychologie-Professor Victor
  • Eindrückliche Graffiti – sogenannte Murales – in Palermo Viejo
  • Der wunderlich, schöne Markt in San Telmo
  • Unterhaltsame und lehrreiche Tours durch das kontrastreiche (nicht nur farblich, sondern auch in Bezug auf Besucher und Einwohner) Viertel La Boca und durch die Prachtstrassen  im Zentrum von „MöchtegernParis“ mit Santiago von Free Walks (die übrigens nicht alle „free“ sind)
  • Der gruselig, faszinierende Friedhof von La Chacarita – spannender als der von Recoleta, da man hier nebst den uralten und riesigen Mausoleen auch die sehr einfachen „modernen“ Gräber und die zweistöckigen, unterirdischen Urnenwände sieht.
  • Freundliche und gesprächige Taxifahrer, die einen über die neusten Uber-Streiks, Tauben-Politik und Touristenfallen informieren
  • Der Typ mit blutiger Nase, der mich auf der Strasse gefragt hat, ob ich gesehen hätte, wer ihn gerade ausgeraubt hat – hab ich nicht
  • Hundekacke auf allen Gehsteigen ergo Hundekacke an meinen Schuhen
  • Kurzhaarfrisur aka Schafscherung aka Heidi in Buenos Aires

Kulturelle Einsichten:

  • Die Bewohner von Buenos Aires heissen porteños
  • Porteños geben einander – aber auch Touristen – zur Begrüssung einen Kuss auf die Wange
  • Wenn man im Supermarkt mit Kreditkarte bezahlen will, muss man seinen Pass dabei haben
  • Porteños schätzen es generell nicht sehr, wenn man mit Kreditkarte bezahlen will (aufgrund der instabilen Wirtschaftslage bevorzugen sie Bargeld). Noch viel weniger schätzen sie es, wenn man mit Kreditkarte bezahlen will und dann den Pass nicht dabei hat …
  • Im Supermarkt ist Milch in Plastiksäcken und Cornflakes in Styroporschalen abgepackt
  • Ein „plato light“ ist ein Teller mit zwei riesigen Omeletten, gefüllt mir Spinat und Ricotta, garniert mit etwa einem Liter Tomatensauce – super lecker, fühlte mich nachher hingegen alles andere als „light“
  • Hier wächst Flausch auf den Bäumen – wauuuu!
  • In Buenos Aires darf man WC-Papier ins WC werfen – yeay!
  • Beim Busfahren muss man vorne einsteigen und die Sube-Karte an den Kartenleser halten. Wehe dem, der das nicht weiss und hinten einsteigt – der Zorn des Passagier-Kollektivs sei ihm gewiss! Er wird vor und mit den Augen aller durch fies-finsteren Blicken traktiert,  bis er zutiefst verwirrt und/oder beschähmt wieder aussteigt. Alsbald fährt der Bus ‚grad zleid‘ ohne ihn wieder ab. Sagt man …
  • Das beste Alter um Tangotanzen zu lernen ist 30. Dann hat man – so Tangolehrer Alberto – genug Schmerz erlebt, um das Drama dieses Tanzes zu verstehen. Was für ein Glück, dass ich gerade 30 geworden bin …
  • Porteños sind teilfreudige Trinker. Bier bestellt man hier im Liter und teilt mit Freunden. Wer kein Bier (ver)mag, sitzt mit seinen Freunden, einer Thermoskanne und dem typischen Mate-Becher in den Park und lässt diesen kreisen.
  • Über den Einfluss von Evita und Juan Peron, die Militärdiktatur von 1976-1983, die Anzahl ihrer Opfer und über die Schuld an der derzeitigen Wirtschaftskrise sind sich Tangolehrer, Taxifahrer, Tourguides und Psychologie-Professoren uneins. Einig sind sie sich hingegen darin, dass Politiker heute zu korrupt und Politik allgemein zu kompliziert ist.

Sonstige Einsichten:

  • So ein Blog ist cheiben aufwändig
  • Fotos hochladen dauert mindestens eine Viellion Jahre – folgen daher sobald ich irgendwo ein besseres Internetz finde

Next Stop:

  • Tigre Delta
  • La Colonia de Sacramento
  • Montevideo


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