Dschungel-Trek & Machu Picchu – unterwegs mit der Hollandhelvetia-Band

  • Unser Inka-Dschungel-Abenteuer startet morgens um sechs mit einer vierstündigen Fahrt ins heilige Tal der Inka nördlich von Cusco. Wobei die Fahrt eigentlich erst um halb acht so richtig losgeht. Die eineinhalb Stunden vorher verbringen wir mit dem Aufladen unserer «Mountainbikes» (mehr zu den Anführungs- und Schlusszeichen später) und dem Auflesen unserer Tour-Gspändli. Zu vierzehnt geht es schliesslich entlang des Urubamba-Flusses nach Ollantaytambo und in engen Serpentinen hoch auf den Abra Malaga Pass. Unterwegs wird schnell klar, dass sich hier ein spassiger Trupp zusammengefunden hat. Zwei Holländer und drei Schweizer Anfang zwanzig kennen sich bereits von bierseligen Abenden in ihrem Hostel und geben bald lateinamerikanische Schnulzen zum Besten. Die vier etwas älteren Päärchen – ja dazu zählen auch wir – üben sich erst im typischen Traveller-Small-Talk bevor die eigenen Bierstories erzählt werden.

Auf 4000 Meter Höhe, nur knapp unter den schneebedeckten Bergen, heisst es dann Aussteigen. Hier beginnt unsere Down-Hill-Biking-Tour. Bevor die Gümmelete los geht, muss aber erst die ganze Schutzbekleidung montiert werden: Knie- und Ellbogenschoner, Rückenpanzer, Handschuhe und schaurig stinkiger Vollschalenhelm. Angesichts des Zustands unserer fahrbaren Untersätze – vor zwanzig Jahren verdienten die Dinger vielleicht mal den Namen Mountainbike – ist die ganze Ausrüstung auch bitter nötig. In Vollmontur düsen wir dann auf der geteerten Passstrasse den Berg hinunter. Immer mal wieder kommt uns ein PKW, Lastwagen oder Moto-Taxi (Tuk-Tuk-mässige Gefährtschaften) entgegen, die zur Freude der eigenen Herzfrequenz immer genau dann hupen, wenn sie an einem vorbeirauschen. Zu sehen wie sich die Vegetation auf unserer Abfahrt von vier- auf eintausend MüM verändert, ist aber super eindrücklich. Während wir im Fahrtwind zwischen den spärlich bewachsenen Felsen erst noch etwas schlottern, wird die Luft schnell wärmer und die Landschaft um uns herum fruchtbarer. Bald hängen sattgrüne Äste, Palmwedel und farbenfrohe Blumen über die Fahrbahn und wir entledigen uns der ersten Kleiderschicht. Gefühlte tausend Kurven und einige spritzige Bachbeetüberquerungen später ist der Fahrradplausch zu Ende. Lediglich ein Unfallopfer ist zu beklagen und die ungeübte Fahrradfahrerin mit blutiger Lippe hat sich anscheinend selbst zu Fall gebracht.

Weiter geht’s noch am selben Nachmittag mit River-Rafting. Nach einem kurzen Mittagsstopp fahren wir zu unserem Hostel in Santa Maria, wo wir einchecken und dann gleich von unseren Kapitänen abgeholt werden. Eine halbe Stunde flussabwärts steigen wir in die fünf Gummiboote, die im kühlen Wasser des Urubamba bereitstehen. Mike und ich erwischen eine mehrheitlich israelische Crew, deren Mitglieder die Ruder-Instruktionen zu Beginn leider nicht alle verstehen. Das merken wir zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht und stechen freudig in Fluss. Kaum angestochen bedankt sich dieser mit einer ersten Stromschnelle die uns alle kräftig befeuchtet. Überrascht vom kalten Nass schnappen wir nach Luft, doch fürs Verschnaufen bleibt keine Zeit. «Forward, one, two, one, two”- ruft unser Kapitän und wir Paddeln was das Zeug hält. Dumm nur, dass wir dabei nicht alle in die gleiche Richtung rudern, geschweige denn gleichmässig. Und so hat die nächste Stromschnelle ein Leichtes unseren Feuchtigkeitsgrad noch etwas zu erhöhen. Triefend trillert unser Käpitän auf seiner Pfeife um unsere Aufmerksamkeit. «Muy mal» (sehr schlecht), lautet sein Urteil. «You have to row together. Again. Forward», weisst er uns an und deutet nach vorne. Zwar stimmt jetzt die Richtung, aber der Asynchronität tut das keinen Abbruch und als wir beim nächsten Felsen im Fluss «backwards» rudern sollen ist die Verwirrung komplett. Die anderen Ruderer paddeln grinsend an uns vorbei, während wir im ruhigeren Wasser an der interkulturellen Kompetenz unserer Crew arbeiten. «Forward, Kadima. Backwards, Leachor», erklärt einer der Israelis seiner Mannschaft gestikulierend. Und so rufen wir bei der nächsten Stromschnelle alle im Chor «Kadimaaa, one, two, one, two» und ernten für unseren Effort prompt ein «Mejor» (besser) von unserem Käptn. Ab da ist der wilde Ritt auf dem Urubamba eine wahre Freude und wir holen sogar einige der anderen Gummibööter wieder ein. Klatschnass stehen wir nach dem rund einstündigen Waschgang schliesslich am Flussufer und beglückwünschen uns gegenseitig lachend zu unserem Überleben.

Zurück in Santa Maria haben wir vor dem Abendessen noch kurz Zeit zum Trocknen und Ausruhen. Von unserem Power-Nap weckt uns das komischste Geräusch, das ich je gehört habe. Eine Art Gluckern, aber höher und lauter. Abrupt fängt es an und hört ebenso wieder auf. Wir gehen nach draussen und Treffen auf ein Trio Truthähne, die versuchen, eine Truthenne zu beeindrucken. Das Bild dazu macht das Ganze nur noch lustiger, denn bei jeder Glucker-Attacke strecken die Hähne ihre Hälse nach vorne und wabbeln dabei den komischen roten Hautfetzen, der daran hängt. Wer das noch nie gesehen oder gehört hat, dem kann ich eine Weiterbildung auf Youtube nur wärmstens empfehlen.

  • Angesichts der Tatsache, dass ich für die Erzählung nur eines Tages bereits mehr als eine A4-Seite gebraucht habe, kürze ich den Rest des Dschungel-Abenteuers etwas ab: Am zweiten Tag wartet eine 8-stündige Wanderung entlang dem Inka-Strassennetz von Santa Maria nach Santa Teresa auf uns. Und oh Wunder: sie macht sogar uns Wandermuffeln Spass. Dazu trägt sicher auch der Backstreet-Boy-Soundtrack bei, den die Holland-Helvetia-Band freundlicherweise produziert, sowie das Wasserglace und die exotischen Früchte aus dem Dschungel-Kiosk. Ebenfalls sehr erhebend für den verschwitzt-verbrauchten Wander-Esprit ist der Schlangen-Schnaps und der selbstgemahlene Kaffee, den wir auf halben Weg von ein paar einheimischen Frauen erhalten, die in ihrer Küche sowohl Meerschweinchen halten als auch zubereiten. Die steilen und engen Treppen des Inka-Pfads, der sich dem Abgrund entlang schlängelt sowie die prekären Brückenbaukünste aus der Neuzeit, stellen derweil sicher, dass es dem Wanderer unterwegs nicht langweilig wird. Der Gipfel der Abenteuerlichkeit ist dann die Flussüberquerung ganz ohne Brücke dafür mit antikem Seilbähnli kurz vor dem absoluten Höhepunkt des Wandertags: den Thermalbädern von Santa Teresa. Lasset euch gesagt sein: nie badet es sich so gut, wie wenn man am selben Tag sein T-Shirt siebenmal durchgeschwitzt und seine Schafswolle dreimal in einen Brunnen getunkt hat!
  • Tag drei ist Mike-Tag. Der tollste aller Travel-Buddies feiert Geburtstag! Schon zum Frühstück erhält er ein Ständchen der übel-verkaterten Holland-Helvetia-Band, die ihre Tanzkünste noch bis in die frühen Morgenstunden an den Stangen der Clubs von Santa Teresa vorführten. Das Frühstück bei sich zu behalten, dürfte einigen von ihnen danach nicht leicht gefallen sein. Ziplining über der Schlucht des Urubamba-Flusses ist angesagt. In 150 Metern Höhe fliegen wir von einer Talseite zur anderen und wieder zurück. Schwindelerregt klettern wir danach noch über eine Hängebrücke der Machart Peru-Neuzeit – diesmal wurde die Hälfte der Latten aber wohl absichtlich weggelassen und wir sind gut gesichert. Eine Busfahrt später, sind wir in Hydroelectrica. Wie der Name schon verrät steht hier ein riesiges Wasserkraftwerk und zwar das grösste in Peru. Neben den Maschinenhäuschen im Tal befindet sich ein klitzekleiner Bahnhof von wo aus Züge nach Aguas Calientes, dem Ausgangspunkt für den Aufstieg nach Machu Picchu, fahren. Diese Fahrt ist in unserer Tour jedoch nicht inklusive und so wandern wir noch einmal drei Stunden entlang der Geleise durch den Dschungel. Zur Krönung seines Tages erhält Mike nach dem Abendessen Mike noch ein enormöses Stück Schockoladenkuchen inklusive Kerzlein, das der Frontmann der Holland-Helvetia-Band aufgetrieben hat. Früh geht es danach ins Bett, denn früh geht es am anderen Morgen weiter.
  • Um halb vier Uhr morgens klingelt der Wecker. Im Halbschlaf wandeln wir zur Bushaltestelle und sind tatsächlich fast die Ersten, die sich hier einfinden. In den nächsten eineinhalb Stunden bis zur ersten Fahrt nach Machu Picchu wächst die Schlange hinter uns soweit an, dass wir das Ende bald nicht mehr sehen. Alternativ zur Warterei könnte man den Aufstieg in die 400 Meter höher gelegene Inka-Stätte auch zu Fuss in Angriff nehmen. Dafür schmerzen meine Füsse und Kniekehlen von den zwei vorherigen Wandertagen aber zu stark. Die Anfangzwanziger unserer Gruppe scheinen solche Probleme noch nicht zu kennen. Punkt fünf Uhr stehen sie an der Fussgängerbrücke über den Urubamba, an deren anderem Ende die endlose Treppe beginnt, die nach Machu Picchu führt. Mateo, Sporty-Spice der Holland-Helvetia-Band und ehemaliger Profi-Fussballer, schafft den Aufstieg, für den Normalsterbliche sicher eine Stunde brauchen in unglaublichen 32 Minuten. Stolz schwitzend treffen wir ihn und die Anderen am Parkeingang als wir aus dem ersten Bus aussteigen. Tatsächlich sind wir unter den ersten Besuchern, die an diesem Morgen um 6:30 Uhr die Ruinenanlage betreten dürfen. Den Stress hätten wir uns aber sparen können. Fifty shades of grey ist alles was wir von dem weltberühmten UNESCO-Kulturerbe sehen. Der dichte Nebel lässt uns nur gerade ein paar Meter über unsere Nasenspitzen hinaussehen. Immerhin hat unser Tourguide Evers ein dickes Buch voller wunderschöner Fotos dabei, die uns zeigen, was wir hier jetzt alles sehen könnten. Aber ganz so schlimm bleibt es nicht. Während wir unser mitgebrachtes Frühstück verzehren und Evers Erzählungen über den Möchtegern-Machu-Picchu-Wiederentdecker Hiram Bingham lauschen, drücken die ersten Sonnenstrahlen durch das Nebelmeer. Bald können wir einen Grossteil der Zitadelle sehen, über deren Sinn und Zweck heute noch gerätselt wird. Es wird angenommen, dass die Inka-Festung um 1450 unter Pachacútec Yupanqui erbaut wurde, der das Inka-Reich durch weitläufige Eroberungen und Infrastrukturprojekte zu einer Grossmacht entwickelte. Höchst wahrscheinlich diente die Stätte danach als Rückzugsort der Inka-Könige, welche normalerweise in Cusco residierten. Nachdem sich Evers von uns verabschiedet, erkunden wir die Stadt auf eigene Faust. Der «leichte Spaziergang» zur Sonnenpforte, die er uns empfahl entpuppt sich dabei zu einem stündigen Aufstieg vorbei an Lamas uns mystischen Felsstrukturen, an dessen Ende wir wieder einmal nassgeschwitzt sind. Aber immerhin können wir von hier oben fast alleine. In den engen Strässchen zwischen den Ruinen der Wohnhäuser ist das unmöglich. Täglich besuchen rund 2500 Personen die antiken Ruinen und ihre Füsse nutzen die Stätte stark ab, die nur für etwa 1000 Bewohner gebaut wurde. Die UNESCO drohte Peru mit dem Entzug des Kulturerbe-Zertifikats, sollte der Staat die Besucherzahlen nicht limitieren. 2017 wurde deshalb die heutige Limite von 2500 Tickets pro Tag eingeführt, wobei ein Ticket nur noch für den Vor- oder Nachmittag gilt. Der Regen, der bei unserem Gang durch die Ruinen einsetzt, vertreibt einige der Touristen, aber auch wir selbst finden es in unseren verschwitzen Klamotten unter dem knallroten Regenponcho bald nur noch mässig gemütlich und machen uns gegen Mittag auf zum Ausgang. Der Rückweg im Mini-Van nach Cusco zieht sich dann ziemlich in die Länge. Um zehn Uhr abends fallen wir todmüde in unser Hostelbett.
  • Das mit dem Kurzfassen hat ja prima geklappt …

 

Cusco – Stadt der tausend Ruinen und Balköner

  • Das Zentrum der ehemaligen Inka-Dynastie überrascht uns. Wahrscheinlich vor allem deshalb, weil wir es verpasst haben, im Vorherein das obligate Lonely-Planet-Kapitel dazu zu lesen. In diesem Fall ist unsere Unwissenheit ein Segen, denn wo wir ein schmuckloses Touristen-Basislager für alle Machu Picchu-Exkursionen erwartet hatten, begrüsst uns eine wunderschöne Kolonialstadt mit prächtigen Holzbalkonen und einem tollen Gastronomieangebot. Nicht dass wir uns falsch verstehen: die Stadt ist von Touristen überschwemmt und an jeder Ecke wollen dich zehn Leute verköstigen, unterbringen, massieren oder auf «die beste Machu Picchu-Tour» entführen. Mit einem genialen Fruchtsaft vom hiesigen Mercado Central oder einem Pisco-Sour von einer der vielen gemütlichen Bars intus, lässt sich das aber gut aushalten.
  • Anders als die meisten Peru-Touristen haben wir unsere Reise durch das Land der Inka nicht um den Besuch von Machu Picchu herumgeplant. Zu Hause hatte es geheissen, man müsse die Tickets für den Besuch der weltbekannten Ruinenstadt mindestens ein halbes Jahr im Voraus buchen. Das war uns zu mühsam, da wir nicht genau wussten, wann wir denn in Peru sein würden. Wir rechneten daher schon damit, Machu Picchu überhaupt nicht zu Gesicht zu bekommen. Stellt sich heraus, dass das mit den Tickets nur ein Problem ist, wenn man die Inka-Ruinen per viertägiger Wanderung auf dem anspruchsvollen Inka-Trail erreichen möchte. Mit unserer bisherigen Wandererfahrung konnten wir darauf getrost verzichten. Normale Eintrittskarten oder auch Kombipakete mit anderen Aktivitäten erhält man auch kurzfristig noch in fast jedem Reisebüro. Einziges Problem: in Cusco gibt es gefühlt fast so viele Reisebüros wie Einwohner. Aufgrund guter Onlinebewertungen beschliessen wir eine Agentur etwas ausserhalb des Zentrums zu besuchen. Nach einem Halbtagesspaziergang durch das Cusco abseits der Touristenpfade stehen wir vor einer kleinen Holztür in einem staubigen Hinterhof. Tatsächlich scheint das hier das Reisebüro zu sein und wir werden ausführlich beraten. Entgegen unserer Erwartung aufgrund der eher einfachen Bürolokalität, sind die Preise der Touren weit über unserem Budget. Dankend lehnen wir ab. Als wir unsere Suche anderntags fortsetzen treffen wir auf Cesar von der Reiseagentur Deep House, der uns eine ähnliche Exkursion für weniger als den halben Preis anbietet. Trotz der Tatsache, dass er seine Reiseagentur nach dem grausigsten Musikstil benannt hat, macht er einen seriösen Eindruck und so buchen wir bei ihm den viertägigen «Inca Jungle Trek» inklusive Downhill Biking, River Rafting, Zip-Lining, Wandern und Machu Picchu für insgesamt 150 Dollar.
  • Mit Machu Picchu im Sack machen wir uns auf zur Erkundung der Ruinen in und um Cusco. Der Gründungsmythos der Stadt besagt, dass der Sonnengott Inti den beiden ersten Inkas Manco Capa und Mama Occlo einen goldenen Stab mitgegeben habe. Dort, wo sie diesen mühelos in den Boden stecken können, sollen sie ihr neues Reich gründen. So heisst es, ist um etwa 1200 nach Christus in diesem fruchtbaren Tal die Hauptstadt des Inka-Reichs Qosqo entstanden.  Leider ist von Qosqo – wie die Einheimischen Quechua die Stadt heute noch nennen – nicht mehr viel zu sehen. Die allermeisten Bauwerke fielen dem Zerstörungs- und Bekehrungswahn der Spanier zum Opfer, welche 1532 hier ankamenDie Kolonialhäuser, die das heutige Stadtbild prägen, wurden auf ihren Ruinen erbaut. Die paar wenigen architektonischen Zeugnisse der Inka, welche die Zeit überdauerten, sind in Kolonialbauten integriert. So wie etwa die ehemalige Tempelanlage Coricancha, die zu einem Dominikanerkloster umfunktioniert wurde, die Calle de siete culebras oder die Mauer mit dem Stein der zwölf Winkel (wo wir noch zu wunderschönen Tourifötelis genötigt werden). Auf einer gebuchten Ruinentour erklärt uns unser Guide Steve, dass die Inka-Bauwerke auch deshalb zerstört wurden, weil die Spanier herausfanden, dass die riesigen Steine aus denen sie gebaut waren, durch Scharniere aus Gold, Silber und Bronze zusammengehalten wurden. Eisen hatten die Inka nie entdeckt. Inkas, betont er auch, hiessen eigentlich nur die 14 Könige des antiken Reiches. Die normalen Bürger heissen und sprechen heute wie damals Quechua.
  • Zur Zeit der ersten kriegerischen Konflikte mit den Spaniern, waren die Quechua gerade dabei eine riesige Verteidigungsanlage im Norden der Stadt zu bauen. Der Namen der geplanten Anlage ist nicht überliefert. Sie wird heute Sacsayhuamán (oder Touristenenglisch: sexy women) genannt, was auf Quechua gesättigter Falke bedeutet. Der Name stammt von der damaligen Niederlage der Quechua, nach der das Areal mit Leichen der gefallenen Soldaten übersät war und den hiesigen Raubvögeln ein Festschmaus geboten haben soll. Etwas weiter ausserhalb der Stadt besuchen wir mit Ruinenführer Steve noch drei weitere eindrückliche Inka-Stätten: Q’enqo, Puca Pucara, Tambomachay. Ersteres war eine sogenannte huaca – ein heiliger Ort, wo Opfer für die Götter dargebracht und die Toten mumifiziert wurden. Zweiteres war ein Fort und Teil des Verteidigungsrings um Cusco herum. Letzteres war ein Wasserheiligtum, das vermutlich auch als Naherholungsgebiet der Inka-Könige diente. Nach so viel Ruinen-Erkundung könnten auch wir etwas Erholung brauchen. Aber leider sind wir keine Inka-Könige und am nächsten Morgen um sechs Uhr früh startet unser Inka-Dschungel-Abenteuer …

Copacabana & Isla del Sol

  • Copacabana gibt’s nicht nur in Brasilien am Meer sondern auch insgesamt achtmal in Bolivien. Das bekannteste bolivianische Copacabana liegt direkt am höchsten schiffbaren See der Welt – dem Titicacasee auf 3800 MüM. Das pittoreske und daher von Touristen überschwemmte Küstenstädtchen ist das erste Ziel auf unserer Bolivia-Hop-Route. Das Busunternehmen ist eine Erweiterung des 2013 von ein paar irren Iren gegründeten Peru-Hops. Gemeinsam bieten sie Bustransfers von La Paz bis Lima an, mit der Möglichkeit an diversen Orten unterwegs Halt zu machen. Erster Halt: Copacabana. Leider gibt es den, auf der Webseite versprochenen, Hostel-drop-off hier nicht. Aufgrund der Steillage unseres Hostels sehen wir uns gezwungen unsere Multifunktionskoffern zum ersten Mal in ihrer Rucksackfunktion zu gebrauchen. Obwohl das Hostel höchstens 100 Meter höher liegt als die Bolivia-Hop Haltestelle, sind wir schon fast auf allen Vieren, bis wir oben ankommen. Die dünne Luft und die überladenen Rollrucksäcke haben uns gebodigt. Für unsere Strapazen werden wir jedoch mit einer wunderbaren Aussicht und einem Hängematten-Lama-Garten belohnt. Lasst euch sagen: jedes Ho(s)tel sollte einen Hängematten-Lama-Garten haben! Es ist die ideale Kombination aus Flausch, Fun und Fläzen! Weitere Must-haves einer jeden Unterkunft, welche sich das Prädikat «nathalässig» verdienen will: ausgefallene Architektur, ein Efoi-überwuchertes Eingangstor, eine knufflige Hauskatze und ein Resti mit Käsefondue auf der Karte. La Cúpula in Copacabana bietet das alles und noch mehr: es hat sogar eine Dusche mit Duschvorhang UND einem kleinen Rand um die Duschnische herum. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie toll es ist, zu duschen ohne den Rest des Badezimmers zu überschwemmen und danach fudiblutt auf den WC-Deckel zu hüpfen, um sich irgendwo anziehen zu können, ohne dass die Klamotten im Anleg-Prozess klatschnass werden … Tragikomischerweise war diese Blüttlerakrobatik bisher in fast jedem Hostel unserer Tour de Südamerika notwendig.
  • Eine Stunde gemächliche Bootsfahrt von der Küste Copacabanas liegt die sagenumwobene Isla del Sol. Hier sollen der Legende nach, die ersten beiden Inkas – Manco Cápac und seine Schwester Mama Ocllo – auf Befehl des Sonnengottes Inti aus dem Wasser gestiegen sein, um das Inkareich zu gründen. Die Hinfahrt auf dem Deck des kleinen Bootes ist ziemlich zugig aber bekanntlicherweise ist geteilter Schal ja halber Wind – und so lernen wir schalleihend Gayatri kennen. Die unternehmungslustige Inderin unterrichtet seit acht Jahren Englisch in Hongkong und bietet uns sogleich an, sie doch einmal besuchen zu kommen. Das könnte tatsächlich noch passieren, denn Ende Februar 2019 sind wir an eine Hochzeit im Indischen Mangalore eingeladen. Ein Ort, den man von Südamerika aus nur über etwa 7 unterschiedliche Flüge erreicht – einige davon mit Stopp in Hongkong… Auf der Isla del Sol angekommen, machen wir einen stündigen Spaziergang von der Ruine des Sonnentempels zum kleinen Dorf Yumani. Auf den wunderschönen Wanderwegen der autofreien Insel begegnen wir immer wieder vollbepackten Eseln. Die grauen Huftiere sind hier die einzigen Transportmittel und aufgrund der steilen Terrassen, welche die Einheimischen hier beackern sehr beliebt. Die Terrassen ebenso wie die steile Treppe, die uns in Yumani zur Bootsanlagestelle hinunterführt stammen aus Inka-Zeiten. Zement, Zahnbürsten und andere Dinge des täglichen Neuzeitgebrauchs, werden von Booten auf die Insel gebracht und von Eseln zu den Hotels und Häusern hochgetragen. So werden dann am späteren Nachmittag auch wir neuzeitliche Touris per Boot nach Copacabana zurückchauffiert.
  • Nebst dem Ausflug auf die Isla del Sol lohnt sich in Copacabana auch ein Besuch der hiesigen Basilika, welche deutlich maurische Einflüsse aufweist. Nebst der spannenden Bauweise gibt es hier auch einen kuriosen Brauchtum zu bewundern: la bendición de Movilidades oder auf Deutsch die Segnung der Automobile. Vor allem an Wochenenden pilgern hunderte von Autofahrern nach Copacabana, um ihre Gefährte in einer einzigartigen Zeremonie sowohl von einem katholischen Priester mit Weihwasser als auch von einem Yatiri (also einem Aymara-Schamanen) mit Weihrauch segnen zu lassen. Zur Besiegelung des Ganzen wird dann noch ein Bier über das Auto und ein Harass in den Fahrer und seine Passagiere geleert. Sache gits …