Antofagasta & San Pedro de Atacama

  • In Antofagasta übernachten wir nur, weil wir in La Serena keinen direkten Bus nach San Pedro de Atacama finden konnten. Die Hafenstadt, die ihre Existenz den nahegelegenen Minen verdankt, überrascht uns dann doch noch mit ein, zwei spannenden Ecken. Am Fischmarkt treffen wir nicht nur auf jede Menge Fischer, die ihre fangfrische Ware anpreisen, sondern auch auf drei Seelöwen, die zwischen den farbigen Fischerbooten umherschwimmen und ungeduldig auf die Überreste warten, welche die Verkäufer über ihre Rücken ins Hafenbecken werfen. Im riesigen Einkaufszentrum um die Ecke lässt sich Mike noch ein paar Häärli stibizen und ich poste mir eine dieser furchtbaren Sportler-Leggins, auf die alle weiblichen Backpacker schwören und die auch unter den Latinas immer öfter die Röhrli-Jeans im Alltagsgebrauch verdrängen. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon, wie ich bei der nächsten Nachtbusfahrt elegant wie ein Seeloi von meinem Sitz gleite, weil die sexy Leggins so rutschig ist … Aber seis drum, dafür könnte man mich jetzt aus der Ferne für sportlich halten.
  •  Die nächste Busfahrt ist zum Glück nicht allzu lang. Innert 5 Stunden sind wir in San Pedro de Atacama. Die ehemalige Wüstenoase der Likan Antai auf 2400 MüM ist heute Touristenmekka für alle, die Sterngucken, Sonnenuntergang geniessen, Vulkane erklimmen, Geysire bewundern oder natürliche Thermalbäder beschwimmen wollen. An der Hauptstrasse reihen sich Reiseagentur, an Souvenirladen, an Restaurant, an Reiseagentur –  alles in den typisch braunen, einstöckigen Lehmziegelhäuschen. Tourismus ist hier klar die Einnahmequelle Nummer eins. Mike und ich planen die meisten der Attraktionen auf unserer Weiterreise nach Bolivien im Rahmen einer dreitägigen geführten Tour zu besichtigen.  Von San Pedro aus machen wir deshalb nur eine Sternguck- und Sonnenuntergangstour. Für ersteres sitzen wir in einer bitterkalten Wüstennacht etwa zu zwölft im Halbkreis um ein Teleskop etwa eine halbe Stunde ausserhalb von San Pedro. Die Atacama-Wüste ist aufgrund ihres trockenen Klimas ideal für Weltraumbeobachtungen und beherbergt daher eine grosse Anzahl von internationalen Observatorien – darunter auch ALMA – das mächtigste Radioteleskop der Welt. Auch das Beobachten der Himmelskörper mit unserem kleineren Kaliber ist schon super eindrücklich. Unser Sternenexperte Ulysses erklärt uns die Entstehung der Mondkrater und Weltallwunder wie Sternencluster und galaktische Nebel. Man fragt sich, wie zum Henker wir kleinen Menschleins bloss herausgefunden haben, wie das Glitzerzeugs da oben funktioniert … Auch der Sonnenuntergang über dem dramatischverformten Valle de la Luna ist kitschigschön, obwohl unser verrückter Guide immer wieder damit droht, uns in der Wüste verdursten zu lassen. Tatsächlich geht in der staubtrockenen Atacama-Wüste niemand ohne Wasserflasche nach draussen und bei den hunderten von Touris, die jeden Tag in San Pedro ankommen, ist Nasenbluten an der Tagesordnung. Auf den vielen Expeditionen, die einen locker bis auf 5000 MüM führen, kommen bei den meisten dann noch Symptome der Höhenkrankheit hinzu. Mit Blick auf unsere dreitägige Höhentour hoffen wir inständig, dass uns unsere alpine Abstammung dagegen ein wenig immunisiert.