Copacabana & Isla del Sol

  • Copacabana gibt’s nicht nur in Brasilien am Meer sondern auch insgesamt achtmal in Bolivien. Das bekannteste bolivianische Copacabana liegt direkt am höchsten schiffbaren See der Welt – dem Titicacasee auf 3800 MüM. Das pittoreske und daher von Touristen überschwemmte Küstenstädtchen ist das erste Ziel auf unserer Bolivia-Hop-Route. Das Busunternehmen ist eine Erweiterung des 2013 von ein paar irren Iren gegründeten Peru-Hops. Gemeinsam bieten sie Bustransfers von La Paz bis Lima an, mit der Möglichkeit an diversen Orten unterwegs Halt zu machen. Erster Halt: Copacabana. Leider gibt es den, auf der Webseite versprochenen, Hostel-drop-off hier nicht. Aufgrund der Steillage unseres Hostels sehen wir uns gezwungen unsere Multifunktionskoffern zum ersten Mal in ihrer Rucksackfunktion zu gebrauchen. Obwohl das Hostel höchstens 100 Meter höher liegt als die Bolivia-Hop Haltestelle, sind wir schon fast auf allen Vieren, bis wir oben ankommen. Die dünne Luft und die überladenen Rollrucksäcke haben uns gebodigt. Für unsere Strapazen werden wir jedoch mit einer wunderbaren Aussicht und einem Hängematten-Lama-Garten belohnt. Lasst euch sagen: jedes Ho(s)tel sollte einen Hängematten-Lama-Garten haben! Es ist die ideale Kombination aus Flausch, Fun und Fläzen! Weitere Must-haves einer jeden Unterkunft, welche sich das Prädikat «nathalässig» verdienen will: ausgefallene Architektur, ein Efoi-überwuchertes Eingangstor, eine knufflige Hauskatze und ein Resti mit Käsefondue auf der Karte. La Cúpula in Copacabana bietet das alles und noch mehr: es hat sogar eine Dusche mit Duschvorhang UND einem kleinen Rand um die Duschnische herum. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie toll es ist, zu duschen ohne den Rest des Badezimmers zu überschwemmen und danach fudiblutt auf den WC-Deckel zu hüpfen, um sich irgendwo anziehen zu können, ohne dass die Klamotten im Anleg-Prozess klatschnass werden … Tragikomischerweise war diese Blüttlerakrobatik bisher in fast jedem Hostel unserer Tour de Südamerika notwendig.
  • Eine Stunde gemächliche Bootsfahrt von der Küste Copacabanas liegt die sagenumwobene Isla del Sol. Hier sollen der Legende nach, die ersten beiden Inkas – Manco Cápac und seine Schwester Mama Ocllo – auf Befehl des Sonnengottes Inti aus dem Wasser gestiegen sein, um das Inkareich zu gründen. Die Hinfahrt auf dem Deck des kleinen Bootes ist ziemlich zugig aber bekanntlicherweise ist geteilter Schal ja halber Wind – und so lernen wir schalleihend Gayatri kennen. Die unternehmungslustige Inderin unterrichtet seit acht Jahren Englisch in Hongkong und bietet uns sogleich an, sie doch einmal besuchen zu kommen. Das könnte tatsächlich noch passieren, denn Ende Februar 2019 sind wir an eine Hochzeit im Indischen Mangalore eingeladen. Ein Ort, den man von Südamerika aus nur über etwa 7 unterschiedliche Flüge erreicht – einige davon mit Stopp in Hongkong… Auf der Isla del Sol angekommen, machen wir einen stündigen Spaziergang von der Ruine des Sonnentempels zum kleinen Dorf Yumani. Auf den wunderschönen Wanderwegen der autofreien Insel begegnen wir immer wieder vollbepackten Eseln. Die grauen Huftiere sind hier die einzigen Transportmittel und aufgrund der steilen Terrassen, welche die Einheimischen hier beackern sehr beliebt. Die Terrassen ebenso wie die steile Treppe, die uns in Yumani zur Bootsanlagestelle hinunterführt stammen aus Inka-Zeiten. Zement, Zahnbürsten und andere Dinge des täglichen Neuzeitgebrauchs, werden von Booten auf die Insel gebracht und von Eseln zu den Hotels und Häusern hochgetragen. So werden dann am späteren Nachmittag auch wir neuzeitliche Touris per Boot nach Copacabana zurückchauffiert.
  • Nebst dem Ausflug auf die Isla del Sol lohnt sich in Copacabana auch ein Besuch der hiesigen Basilika, welche deutlich maurische Einflüsse aufweist. Nebst der spannenden Bauweise gibt es hier auch einen kuriosen Brauchtum zu bewundern: la bendición de Movilidades oder auf Deutsch die Segnung der Automobile. Vor allem an Wochenenden pilgern hunderte von Autofahrern nach Copacabana, um ihre Gefährte in einer einzigartigen Zeremonie sowohl von einem katholischen Priester mit Weihwasser als auch von einem Yatiri (also einem Aymara-Schamanen) mit Weihrauch segnen zu lassen. Zur Besiegelung des Ganzen wird dann noch ein Bier über das Auto und ein Harass in den Fahrer und seine Passagiere geleert. Sache gits …