Rincón del Mar – lass la bambele à la colombiana

  • Nachdem wir in Kolumbien schon reichlich geschwärmt und geschnorchelt haben, wollen wir den ersten Tauchgang unseres Trips in Angriff nehmen. Auf Empfehlung von unserer Cali-Connection geht es dafür ins relaxte Fischerdorf Rincón del Mar etwa 2.5 Stunden Bus- und eine halbe Stunde Taxifahrt von Cartagena entfernt an der kolumbianischen Karibik. Hier hat das Leben einen gemütlichen Beat und das soll auch so bleiben. Anscheinend haben sich die einheimischen Fischer und Hostelbesitzer deshalb sogar gegen den Besuch eines Lonely Planet-Autors gewehrt, der den Ort in die Backpackerbibel aufnehmen wollte. Noch kennen deshalb nur wenige internationale Touristen diesen Ort. Die, die es hierher schaffen (vor allem Franzosen) lassen ihre Seele in den unzähligen Hängematten am Strand baumeln, geniessen frischen Fisch mit süsslichem Kokosreis und fruchtige Cocktails. Wir tuns ihnen gleich und lernen dabei Melissa, Evolène und Thibault kennen. Erstere ist vor fünf Jahren aus Buenos Aires weg und in die Welt hinausgezogen. Seither arbeitet sie in Bars, Hotels und Hostels als Kellnerin, Barkeeperin, Rezeptionistin, Masseurin oder freischaffende Bäckerin. Dabei hat sie ihre Begeisterung für neue Bekanntschaften nicht verloren und gibt ihre Reiseabenteuer gerne an der Bar unseres Hostels zum Besten, die sie momentan gerade schmeisst. Evolène und Thibault aus Lyon sind wie wir auf längere Weltreise aber unterhaltungstechnisch einiges besser ausgerüstet. Und so spielen wir bald jeden Abend gemeinsam Schach, Dog und das furchtbar banale aber unglaublich unterhaltsame Würfelspiel petits cochons. Auch mit unseren Tauchlehrern haben wir unglaubliches Schwein. Stefania und Giovanni vom Rincón Dive Center, sind die coolsten und gleichzeitig professionellsten Dive-Buddies, die man sich wünschen kann. Der Dolce-Vita-Italo-Swag mit dem sie uns in ihrem Dive-Shop Kaffee servieren ist super ansteckend und die Tauchgänge vor den wunderschönen Islas de San Bernardo sind Tiefenentspannung pur. Dummerweise blockiert sich mein Innenohr beim vierten Tauchgang und verursacht ein Mini-Barotrauma. Nach einem schwindligen Nachmittag beschliesse ich das Ganze abklingen zu lassen und vorerst nicht weiter zu tauchen. Dafür habe ich mehr Zeit mein erstes Fernjobinterview aus der Karibik zu improvisieren, was leider auch nötig ist, da Mikes geniales Gamerlaptop sich unerwarteterweise in die ewigen Hängergründe verabschiedet hat und die Kamera an meinem Tablet auch nicht funktoniert. Dank der grossartigen Hilfsbereitschaft unserer Tauchgurus und Lieblingslyonaisen finde ich schlussendlich doch noch einen kamerakompetenten Apparatus, nur um mir die Show am Ende von der schwächlnden Internetverbindung stehlen zu lassen. Ein videoloses Telefonat später, habe ich zwar keinen neuen Job, dafür mein Karibik-Ohm wieder. Letzteres wird bei einer sonnenuntergänglichen Yoga-Session noch etwas intensiviert und die Erleuchtung, dass die Karibik wohl einfach nicht der richtige Ort für Jobinterviews ist, kommt nicht wirklich überraschend. Trotzdem hätte ich dereinst – fern von Sandstrand und Meeresrauschen – dann schon wieder Lust auf neue Abenteuer in der Welt des Proletariats. Falls ihr liebe Leserschaft also was hört von einem Kommunikationsjob mit Weltverbesserungspotenzial so ab April 2019 – lasst es mich wissen. Ansonsten komm ich dann einfach nach Rincón zurück und lass la bambele …