Valparaíso & Viña del Mar

  • Die farbenfrohe Weltkulturerbe-Stadt mit ihren steilen Hügeln und noch steileren Seilbahnen versprüht einen jugendlichen Sozi-Künstler-Vibe und viele Latino- und Exil-Hipster wuseln durch ihre graffiti-bemalten Strassen. Ein wunderbarer Ort, um einfach ein bisschen drauflos zu spazieren, die Kunstwerke an jeder Ecke zu bestaunen und jeden Nachmittag ein neues knuffliges Café und jeden Abend eine neue hippe Rooftop-Bar zu entdecken. Genau das haben wir dann auch gemacht. Tollerweise wiederum in der exquisiten Gesellschaft eines Teils der Pisco-Crew.
  • Seinen Aufschwung als Hafenstadt verdankt Valpo (wie die Stadt von ihren Einwohnern liebevoll genannt wird) vor allem dem Goldrausch des 19. Jahrhunderts. Die Stadt war damals ein fixer Zwischenstopp auf der Umrundung des südamerikanischen Kontinents, die viele goldgierige Europäer auf ihrem Weg nach Kalifornien auf sich nahmen. Nicht wenige von ihnen kamen reisemüde in Valparaíso an und entschieden sich zu Bleiben. Mit dem Erdbeben von 1906 verlor die Stadt dann jedoch einen Grossteil ihrer Infrastruktur und Einwohner und mit der Einweihung des Panamakanals 1914 einen Grossteil ihrer Bedeutung. Auch heute noch wird Valparaíso immer wieder von Erdbeben und den oft folgenden Grossbränden heimgesucht. „Wir lieben es unsere Stadt immer wieder aufzubauen“, erklärt Paola augenzwinkernd auf der Stadtführung, bei der sie uns all das erzählt. Diese Stehaufmännchen-Mentalität merkt man den Bewohnern von Valpo an und ist wohl auch Antrieb für ihre überbordende Kreativität, die sie in Graffitis, Architektur und Kunsthandwerk ausleben.
  • Am dritten Tag in Valpo wagen wir einen Abstecher nach Viña del Mar. Eine 15-minütige halsbrecherische Busfahrt führt uns in die Schwesterstadt von Valparaíso, welche hinter ein paar goldbraunen Surferstränden liegt. Die Stadt wuchs beträchtlich als nach dem Erdbeben von 1906 viele Valparaisianer ein  neues Zuhause suchten und wurde für die Fussballweltmeisterschaft in Chile 1962 unter anderem mit einer Blumenuhr made in Switzerland aufgehübscht. Doch unterschiedlicher könnten die zwei Schwesterstädte nicht sein. Während in Valpo alles eher eng, shabby-chic, kunterbunt und improvisiert wirkt, sind die Wohnviertel in Viña del Mar voller schmucker Einfamilienhäuser mit eigener Garage und grosszügiger Grünfläche, die Einkaufsmeile ist mit Luxusläden gespickt und die meisten Einwohner nicht mit den Hippie-Hippstern in Valpo zu verwechseln. Auch die Politik ist hier klar konservativer als im linksgerichteten Valparaíso. Interessanterweise steht im Hinterhof des schicken Viña del Mar jedoch eine der grössten illegalen Siedlungen (auf Spanisch: tomas de terreno) Chiles, deren Bewohner in bitterer Armut leben. Davon bekommt man im touristischen Zentrum nicht viel mit, umso bemerkenswerter finde ich es deshalb, dass unser Tourguide Eduardo uns darauf aufmerksam macht.